Donnerstag, 28. Juli 2011

Fabelhafter…


Ich glaube, ich habe soeben unseren Song gefunden: „Nie zuvor“ von Elektra.

Es wird langsam hell draußen, die ersten munteren Vögelchen zwitschern leise ihren Guten-Morgen-Song.

Auch du wirst bald aufstehen müssen, das familiäre Frühstück - sofern vorhanden - überstehen und dann zur Arbeit fahren.
Was der Tag bringt wissen wir nicht.

Während du dich mit Policen und anderem Papierkram auseinander setzen musst, werde ich schlafen und träumen.
Vielleicht von dir, vielleicht von uns, vielleicht weder das Eine noch das Andere.

Eventuell weckt mich eine Nachricht von dir…
Und vielleicht werden wir uns heute noch sehen…


28.07.2011 / 04:48 Uhr

Geschafft…



Der Brief, den ich nie schreiben wollte, ist fertig.
Jedenfalls als Datei.
Nun müsste ich ihn nur noch handschriftlich verfassen und prompt kommen mir gestalterische Zweifel.
Soll ja schließlich auch optisch einen Eindruck hinterlassen und nicht nur der Inhalt.

Obwohl ich irgendwie die Vermutung habe, dass der Brief ungelesen im Müll landen wird.
Egal, ich hab’s getan und gut ist.
Nun brauch ich mir keine Vorwürfe mehr machen, all das Geschehene unbeantwortet im Raum stehen gelassen zu haben.

Aber ein kleines Problem gibt es noch.
Wie bekomme ich dieses Schriftstück an den Mann?
Artet das Ganze jetzt wieder in stundenlangen Stalking-Attacken aus?
Ein normaler Mensch würde den Brief in den dafür vorgesehenen Briefkasten am Haus einstecken.
Doch bin ich weder normal, noch ist das unsere Art bisher gewesen.

Also wird es wieder auf ein Katz-und-Maus-Spiel hinauslaufen, was einige Zeit in Anspruch nehmen kann und September ist bald und bis dahin soll er doch gefälligst aufhören mich zu hassen…jawohl.

Ich bin mir absolut nicht sicher, ob es richtig ist, was ich da vorhabe.
Ok, die Zeit wird es zeigen - egal ob positiv oder negativ - irgendwas wird passieren.
Und wenn nichts geschieht, weiß ich doch wenigstens woran ich bin und kann - und muss -  dieses Kapitel dann auch abhaken.

Egal auf was es hinausläuft, ein persönlicher Meilenstein wird es auf jeden Fall, auch wenn ich es jetzt noch nicht genau erklären kann, doch mein Bauchgefühl äußert sich eben so.
Schlussendlich ist es trotzdem traurig für mich persönlich, dass ich entgegen meines Stolzes, derartige Bettelbriefe verfasse.
Genauso gut könnte ich mich bei „Verzeih mir“ anmelden und den ganzen Kram noch öffentlich zur Schau stellen.

Aber nein, Stolz ist grad nicht drin und wenn ich es nicht mache, bereue ich es hinterher sowieso - obwohl aufgehoben nicht aufgeschoben ist.
Verflixt, ich suche krampfhaft nach Ausreden für mein eigenes Verhalten.

Basta…der Brief ist fertig und gut.


28.07.2011 / 04:40 Uhr

Fehler…

Warum ich dich gestern Abend abgewiesen habe, weiß ich wiedermal nicht.
Dabei suche ich dich minütlich, warte auf ein Zeichen und freue mich umso mehr, wenn ich eins von deiner Seite her bekomme.

Auch gestern hast du mir ein Strahlen ins Gesicht gezaubert, das es kaum noch zu ertragen war.
Ich hörte Schmonzetten wie „Flugzeuge im Bauch“, „Verdammt, ich lieb´ dich“ und lauter solch Seelenkäse.

Und jetzt, genau jetzt in diesem Moment, bekomme ich beim Gedanken daran, Gänsehaut, mich überläuft ein heiß-kalter Schauer.
Verflixt…du machst mich verrückt!

Wir würden uns diese Woche noch mal sehen, meintest du ganz überzeugt.
Ich hoffe es, ich will, ich muss….ich brauche es, ich brauche dich!
Es würde unheimlich aufbauen, bevor es dann kommende Woche an den neuen Arbeitsplatz geht.

Du nimmst mich so, wie ich bin.
Möchtest nichts ändern, kritisierst nicht an meiner Person, findest alles genau richtig und zeigst mir dies auch deutlich.
Ein tolles Gefühl!

Warum hab ich noch mal nein gesagt?
Achja, ich fühlte mich nicht wohl genug in meiner Haut, war eigentlich auch anderweitig beschäftigt, abwesend sozusagen.
Trotzdem zögerte ich mit meiner Entscheidung.
Dich mehrmals in einer Woche zu treffen, würde wieder so wie zu Beginn unserer Bekanntschaft sein.
Eigentlich doch genau das, was ich mir wünsche.
So denn: ein neues Vorhaben meinerseits.
Wenn ich nicht außer Landes oder matschig krank bin, werde ich ab sofort jede Chance auf dich ergreifen.
So sei es!

Nun sitze ich seit einer Ewigkeit am Brief für Erik.
Ein wenig weiter bin ich gekommen, muss nur die Textbausteine meiner Gedanken zu einem Ganzen zusammenfügen und dann alles noch mal per Hand zu Papier bringen.
Dieser Brief soll noch diese Woche fertig werden.

Aber irgendwie glaube ich, dass du, geliebter Fabelhafter, mich davon ablenken willst.
Auch wenn du davon gar nichts weißt.
Ein schicksalhaftes Zeichen vielleicht, dass dieser Brief ein Fehler sein wird.
Oder aber, dass all das, was ich mir mit dem Schreiben dieser Zeilen wünsche, in Erfüllung geht und wir Beide - du und ich - dann nie wieder die Chance haben, dass zu tun, was wir tun.
Sozusagen ein Hinweis darauf, dass wir Zwei jede Minute, die uns noch bleibt, ausnutzen sollen.

Selbst wenn es so wäre und der Brief die Erfüllung (einstiger) Wünsche wahr machen würde - würde es an unserem Spiel wirklich etwas ändern?
Nein, nicht direkt, die Freundschaft würde auf jeden Fall bleiben.

Und ja, ich beginne zu zweifeln.
Nicht an dir F., nein - ich zweifle an mir.
Ist es wirklich das was ich will?
Eine dauerhafte gemeinsame Zukunft mit dem Anderen?
Mit Erik, dem Verträumten.

Doch, ja, ich will.
Und nein, dich will ich nicht verlieren, in keinster Weise und niemals!
Dieses ewige Hin und Her in mir macht mich noch wahnsinnig.
Zugegebenermaßen leide ich unter Bindungsängsten, andererseits wird es auch langsam mal Zeit, solide zu werden.
Wenn auch nur äußerlich - Opium fürs Volk sozusagen - innerlich werde ich mich nicht fügen.
Und diese gewisse Liebe zu dir, Fabi - man kann es so bezeichnen - die vergeht sowieso nicht so einfach, egal wer an meiner Seite sein würde, sofern ich es zulasse.

Ich spüre Veränderungen an und in mir.
Diese leidenschaftliche Vorfreude auf Begegnungen mit dir, das verträumte Singen, die ausgewählte Garderobe inkl. passenden Makeups.
Du machst mich unwissentlich zur Püppi, passend zum Standart deines Niveaus.
Und ich habe nichts dagegen, sondern genieße es, es tut gut, wieder so sein zu dürfen.
Ist es ein gutes Zeichen, solche Veränderungen bewusst mitzumachen?
Scheinbar ja, sonst würde sich doch sicherlich in mir etwas wehren.

Falls ich demnächst meine Zigaretten mit Mundstück rauche, möchte ich aber erschossen werden, denn dann habe ich gänzlich den Bezug zur Erde verloren…


28.07.2011 / 02:38 Uhr

Dienstag, 26. Juli 2011

Der Mann mit den zwei Gesichtern


Fabelhafter, warum und wieso bist du so?
So sehr ich Abwechslungsreichtum mag, aber in bestimmten Lebenslagen hätte ich gern auf ein paar essentielle Dinge Verlass.
Dein Verhalten gehört für mich mit zu diesen Dingen.

Du bist eine Mischung zwischen Monster und Engel.
Nein, keine Mischung, du bist Beides.
Stets abwechselnd, von einer Minute zur Nächsten veränderst du deine Persönlichkeit.

So auch vergangene Nacht.
Welch hingebungsvollen, sinnlichen und liebevollen Engel ich doch in dir entdecken durfte.
Ich beobachtete dich aufmerksam, während ich sanft über deine Brust strich.
Du genießt, schaltest ab, lässt dich fallen.
In diesem Moment hast du mir vertraut, ohne Hemmungen, ohne Ängste.

Langsam öffnest du dich mir gegenüber.
Nicht was dein Privates anbelangt, da gewährst du mir schon länger tiefe Einblicke.
Aber das du endlich Zärtlichkeiten und Nähe in dem Umfang zulässt, ist für mich eine neue Erfahrung.

Darf ich das ausnutzen?
Ich möchte es, obwohl es das Spiel noch gefährlicher werden lässt, mich mit mehr Gefühlen für dich füttert.
Aber wer dich so kennt, so wie ich dich heute kennen lernen durfte, wird es verstehen.

Leider darf ich dir das nicht sagen, du kannst mit derartigen Wahrheiten nicht umgehen.
Doch so liebenswert wie du heute warst, wirst du dir irgendwann Vergleiche meinerseits gefallen lassen müssen.

Vergleiche, die auf das Monster in dir deuten.
Dem Mann, der mich mit schmerzhafter Perversion behandelt und dann noch Hingabe verlangt.
Diese Person, welche kratzt, beißt, schlägt und würgt.
Im Hellen betrachte ich mich erst nachher, im Tageslicht, da sieht es meistens nicht so wild aus wie unter der grellen Neonlampe.

Dir muss jemand - oder mehrere Personen - in deinem früheren Leben sehr weh getan haben.
Du bist gestört, dass lässt sich nicht leugnen und auch du machst mir gegenüber keinen Hehl daraus.
Gewissermaßen ein Sadist, du quälst, um zu genießen.

Einen Teil deiner Familiengeschichte kenne ich mittlerweile, ein kurzer, schockierender Einblick.
Das du mit Gefühlen nicht umgehen kannst, ist mir nur zu verständlich.
Auch das du Schwierigkeiten mit Nähe und Zärtlichkeit hast.

Doch spüre ich auch ganz genau, dass dir eben dies alles fehlt, du möchtest es und hast Angst, es zuzulassen.
Nur manchmal, in den kostbaren Augenblicken, wie sie heute aufblitzten, dann lässt du mich gewähren, saugst alles in dir auf wie ein Schwamm.
Gelegentlich bettelst du auch darum, nur war ich anfangs zu arrogant um dies ernst zu nehmen.

Gern würde ich das Risiko eingehen und dir dieses Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit schenken, nicht auf Dauer, aber für einige Stunden.
Dich einatmen, beobachten, auf deine Regungen angemessen reagieren und versuchen, mehr aus dir rauszukitzeln.
Testen, wie viel du bereit bist, in dir aufzunehmen und abwarten, wie du dich revanchierst.

Darf ich, gibst du mir die Möglichkeit dazu?


26.07.2011 / 03:02 Uhr

Chaos III


Warum auch sollte die zweite Urlaubswoche anders beginnen, wie die erste Woche endete?
Wäre es anders gewesen, wäre ich auch zutiefst verwundert gewesen.

Nachdem ich es nun Montagmittag, nach 6 Stunden intensivsten Weckerklingeln, schaffte aus dem Bett zu fallen, setzte ich mich gekonnt inkompetent an meine Steuererklärung 2009 um die fehlenden Daten zu ergänzen.
Wunderlicherweise ging dies sogar ziemlich flott, somit rein in die Firmenschüssel von Auto, die weder mit Sprit noch Motorenöl ausgerüstet war und ab zu meinen neuen besten Freunden vom Finanzamt.

Die erste gute Tat des Tages zu - hoffentlich - meinen Gunsten war geschafft.
Ich plante noch einen kurzen Zwischenstopp bei Penny ein, denn wer das ganze Urlaubswochenende arbeitet, darf sich auch mal 2 gekühlte Latte gönnen.
Währenddessen holte mich ein Anruf meiner Mom aus meinen Autofahrertagträumen.
Sie ginge jetzt zum Doc mit der Voraussicht, ins Krankenhaus zu müssen, sie melde sich noch mal.

Gedanklich überflog ich die Stundenanzahl eines Tages und ob es möglich ist, ohne Fahrzeug all die Aufgaben zu bewerkstelligen, die im Fall des Falles damit auf mich zukämen.
Hund, Katzen und Vögel mehrfach täglich versorgen, evtl. Besuch im KH, meine eigenen Probleme lösen etc. pp.

Penny verlief harmlos und ruhig, bis auf das verdutzte Gesicht eines Mannes vor mir an der Kasse, den ich fragte ob ich ihm seine Bildzeitung zum halben Preis abkaufen könne, wenn er sie gelesen hat.
Er schaute so belämmert, dass ich zur Abwechslung sogar mal schmunzeln musste.
Aber hey, ich bin in finanzieller Not und möchte auch gern den neusten Klatsch und Tratsch aus aller Welt wissen.

Ein Blick auf die Handyuhr ließ mich leicht hektisch werden, nur noch 45 Minuten bis zum Dienst.
Schnell heim, kurz frisch gemacht, den Zoo versorgt, dankbares Grunzen und Knuckern geerntet und wieder ab ins Auto.

Ich schaute auf der Höhe des Pennymarktes nach links und da sah ich Erik gerade auf den Parkplatz fahren.
Prompt wendete ich kurzerhand den alten Opel ohne Servolenkung zur Hauptverkehrszeit auf der Hauptstraße, da ich ja sonst eine anständige Autofahrerin bin durfte ich das mal, und fuhr ebenfalls zum Discounter.

Leider war ich ein wenig in Gedanken versunken, so konnte ich es gerade noch erbremsen, sonst hätte er diesmal wirklich auf meiner Motorhaube Platz genommen.
Sein erschrockenes Gesicht werde ich sicherlich nie vergessen, glücklicherweise sah ich auch wenig intelligent in dem Moment aus.

Mehr als Flucht blieb mir nicht übrig.
Aber die Entscheidung, ihm endlich diesen einen Brief zu schreiben, verfestigte sich in meinen Gedanken und Vorhaben.
Ich werde es diese Woche noch tun, je eher, desto schneller habe ich es hinter mir.
Die Pizzeria hatte schon geöffnet als ich ankam, die Kasse war weg, die Kunden bereits da und Winny hatte die glorreiche Idee, mich Zwiebeln schneiden zu lassen.
Herrgottnochmal, ich mag keine Küchenarbeiten die mit Geruch verbunden sind.

Meine Mom rief an, dass das mit dem Krankenhaus erst Donnerstag entschieden wird und sie einen leichten Leistenbruch habe, welchen sie wegmassieren soll.
Noch ein Beweis dafür, dass ich diesen Jüngling von Doktor nicht ausstehen können muss.
Seit wann kann man Brüche wegmassieren?!

Manjit kam wie immer mit Klein Kevin im Schlepptau und bereits 5 Minuten später waren meine Nerven zum Zerreißen gespannt und in der Bude sah´s aus wie Krieg.
Müssen Kinder so sein?
Die erste Lieferung für mich kam und ab gings in die City.

Ich fuhr natürlich einen Umweg, immer noch ohne Sprit wohlgemerkt, um an der Stammkneipe vom Fabelhaften vorbeizukommen.
Tja, wessen Auto stand natürlich auch da?
Genau….seins.
Mein Herz hüpfte kurz hoch, wobei ich nicht sicher bin, ob an der Stelle ein Schlagloch war.

Und als ich dann die Bestellung brav und fast auf die Minute pünktlich abgeliefert hatte, auf der dem Rückweg auf der Höhe einer Polizeistreife halten musste, blinkte mein Handy fröhlich vor sich hin.
Ich glaub, ich hab halb Chemnitz zusammengeschrien….ja, ja, ja….der Fabelhafte leibhaftig, in Person und so was von charmant.

Der Tag war irgendwie gerettet, die Laune auch und was überhaupt konnte mir die Welt noch anhaben?
Nichts, alles schien nahezu der Normalität von vor 2 Wochen zu gleichen.

Die SMS zogen sich über den Abend hinweg, egal wo ich war, nicht ohne mein Handy!
Und er bettelte, wollte mitfahren, bei uns essen, mit arbeiten (?) usw.
Sollte er mich denn wirklich vermisst haben?
Verdammte scheiße…ja! Danke an Mr. Big für diesen Satz  :o)

Irgendwie bekam ich den Dienst gut rum, rief meine Mom an ob sie mich holen könnte.
Tat sie dann auch, viel zu zeitig, also musste sie erstmal mit zur letzten Lieferung.
Ich erfuhr gleich den kompletten Krankenstand und dachte mir, Mädel jetzt kommen harte Zeiten auf dich zu.

Als Tochter versage ich auf ganzer Linie, das ist mir wohl bewusst.
Oder welches Gör schafft es noch, die eigene Mutter mit Leistenbruch ins Auto zu pflanzen nur um halbwegs pünktlich zum undankbaren Liebhaber zu kommen?

Das war dann auch irgendwie das Highlight des Tages und so dringend nötig.
Er holte mich vom vereinbarten Treffpunkt ab, wunderte sich zwar, dass ich ohne PKW erschien, aber sagte erstmal nichts weiter dazu.
Ich genoss es, neben ihm in der Nacht unter den Sternen langzubrausen.
Atmete seine Nähe ein und beobachtete ihn heimlich von der Seite.

Er raste durch die Orte zu der Lichtung, auf der wir Ostern schon einmal waren.
Ein wenig bange war mir schon, schließlich konnte er mich da oben stehen lassen und verschwinden.
Aber nichts dergleichen.
Ein kurzer Moment des Schweigens, bevor es zum schönsten Teil der Nacht überging….der Versöhnung.

Und dann war es wieder da - sein zweites Gesicht - das, des Liebenswerten, dem wunderbarsten Mann dieser Welt.
Dem Genießer in Person, dem Verführer, der Leidenschaft genau dann entfacht, wenn alle Feuer dem Erlöschen geweiht sind - er entzündet sie wieder.

Das Adam-und-Eva-Spiel lasse ich besser unerwähnt, sonst bekommen wir irgendwann Zuschauer.
Und wer in der heutigen Nacht zwei Monde nebeneinander sah…ähm ja, bitte nicht bei der NATO anrufen, das war kein kosmisches Wunder oder zwei feindliche Überflieger, sondern wir.

Danach…ja, danach war er wieder er, der Unantastbare, der kalte arrogante Chauvinist.
Aber verflixt, was würde ich ohne ihn tun?
Leiden, bitterlich und jämmerlich leiden, auch wenn ich jedesmal über ihn schimpfe, aber verlieren möchte ich ihn nicht, in keinster Weise in meinem Leben vermissen.

Und nun sitze ich hier, trinke meine zweite Latte und strahle vor mich hin.
Sein Duft hängt mir an, ich atme gleichmäßig und genieße.
Ideen über Ideen durchfluten meinen Schädel, kitzeln meine Sinne und verlangen nach Umsetzung.
Vergessen die Tränen und der Kummer der letzten Tage wegen ihm.

Cholerikerin wie ich nunmal bin, interpretiere ich die Worte stets zu meinen (Un)gunsten.
Wenn er nun in der einen Woche keine Zeit hatte, musste das nicht sofort das Ende sein.
Doch wenn er sich mal gekonnter mit mir verständigen würde, dann wären die Missverständnisse zwischen uns vielleicht auch nicht so heftig.

Wohin mein innerliches Chaos betreffend der beiden Männer mich noch bringen wird, ist nahezu ungewiss.
Leicht und einfach wird es nicht werden, soviel ist mir bewusst.
Den Rest allerdings kann ich entweder nur durch frühzeitiges Steuern noch in die richtigen Bahnen lenken oder einfach abwartend auf mich zukommen lassen.

Allerdings heißt es doch aber auch, dass jeder Mensch seines eigenen Glückes Schmied ist.
Doch wie schaut es mit dem Schicksal aus, kann es nicht doch sein, dass alles auf gewisse Weise vorherbestimmt ist?


26.07.2011 / 02:22 Uhr

Sonntag, 24. Juli 2011

Chaos II

Wem habe ich eigentlich etwas angetan um tagtäglich vom Schicksal überrascht bzw. gefühltermaßen bestraft zu werden?

Heute, Samstag, wieder zum Lieferdienst.
Da ich den Firmen-Opel geliehen bekam, konnte ich vorher noch meine sporadischen Wochenendeinkäufe erledigen.
So rollte ich gemächlich zu Penny, krallte mir die paar wenigen Dinge, die ich und meine Mitbewohner für die kommenden 1,5 Tage benötigten.
Bis dahin alles soweit ok.
Ein kurzer Plausch wie üblich mit der Kassiererin und ab gings wieder zum Uralt-Opel.
Dem Auto erzählte ich noch kurz, welcher Kaffee für welchen Tag gedacht ist und wollte starten. (Ja ich rede mit meinen Fahrzeugen, die haben schließlich auch ein Herz!)

In dem Moment kam ein grüner Nissan auf mich zu.
Ich starrte auf die Nummer, schaute ins entgegenkommende Fahrzeug und hielt die Luft an.
ERIK!
Ok, wir zwei auf einem nahezu leeren Parkplatz.

Hechelatmung setzte meinerseits ein, jede Hebamme wäre stolz auf mich gewesen.
Ich wollte nun endlich den Motor starten, beugte mich nach vorn und rannte mir den Schädel ein.
Gut, nächster Versuch….Schlüssel rum und gekonnt absaufen lassen.
Mittlerweile musste ich farblich einer Signalleuchte ähneln.
Egal, Schlüssel erneut gedreht, Fahrzeug ruckt an und mit gezogener Handbremse elegant auf die Ausfahrt vom Parkplatz zugehüpft.
Peinlicher geht’s mal nicht.

Währenddessen schaute ich nicht einmal nach rechts.
Saß er noch im Auto?
Beobachtete er mich?
Stand er eventuell neben meinem Auto?
Bin ich eigentlich von allen guten Geistern verlassen?!?
Da warte ich auf eine Chance und dann das, ich fahr „einfach“ los und vielleicht wäre gerade heute DER Moment gewesen…

Während meines hüpfenden Abgangs schaute ich noch mal in den Rückspiegel und sah ihn ins Geschäft laufen, leicht errötet mit einem sanften Lächeln.
Verdammt!

Schnell zur Kollegin, diese ins Auto gezerrt und zurück zu Penny…wo natürlich nach gefühlten 5 Minuten kein Erik mehr zu sehen war.
Und selbst wenn, was hätte ich dann getan?
Ihn versehentlich überfahren, hupen und abhauen, dämlich lachen und komisch gucken?

Aufgekratzt wie ein Teenie trat ich meinen Dienst an.
War ziemlich entspannt das Ganze, obwohl ich Bedenken äußerte, dass es sicherlich gegen 18:30 Uhr erst richtig los gehen wird.
Ich sollte Recht behalten, Stress setzte ein, die Fahrer reichten nicht aus und in der Küche begann systematisch das Chaos Einzug zu halten.

Meine letzte Tour allerdings war eine Reise durch den Zauberwald.
Neefestrasse war die Anschrift.
Ein Grummeln machte sich in meinem Magen breit.
Das Navi fütterte ich mit der Hausnummer, prompt zeigte es den Goethering an.
Das Grummeln wurde intensiver, ein komisches Warnsignal in mir machte sich bemerkbar.

Ich ahnte was kommen würde und auch hier sollte ich wieder Recht behalten.
Die Lieferanschrift war die Büroadresse vom Fabelhaften, haargenau und vollkommen identisch.
Ich blieb im Auto sitzen, verfluchte die Welt und geriet dezent in Panik.
Tränen gab es keine, nur ein innerliches Erdbeben, welches aber weniger schlimm als das gestrige Fiasko war.

Mit der Kiste schlumpfte ich sachte ums Haus.
Im Hinterhof wäre der Eingang, meinte der Kunde bei der Bestellung.
Der erste Weg war falsch, der Zweite führte hinter eine Mauer, genau am Büro entlang.
Ein Mordsbrocken fiel mir von der Seele, als ich weder sein Auto sah, noch der Besteller er unter anderem Namen war. (was ich mir innerlich doch zugegebenermaßen wünschte)

Der Mann muss sich also täglich in meine Erinnerung schleichen, mir Schocks und panische Zustände bereiten.
Ich werde dich auch so nicht vergessen geliebter Fabelhafter!

Es war für mich die letzte Lieferung des Abends, die Kraft versagte bei Ankunft in der Pizzeria.
Dafür kam noch ein Junkie reingesprungen um mich mal fix zu beleidigen, bevor er elegant in seinem Winteroutfit in der Welt der Chemiewerfenden verschwand.
Darüber konnte ich nur lachen, die Kollegen waren schockiert.

Shit happens…
Aber Erik und der Fabelhafte in Tarnung an einem Nachmittag reichen vollkommen aus, um mich für andere Geschehnisse immun zu machen.
Es ist nunmal kompliziert, wenn man spürt, dass das eigene Herz für 2 Männer schlägt.

Und trotzdem bin ich für die heutigen „Begegnungen“ sehr dankbar, denn sie zeigten mir die unterschiedlichen Gefühlsbewegungen in mir im Vergleich.
Nur leider kann ich sie nicht deuten, was davon ist Freundschaft, Zuneigung, Verlangen und evtl. Liebe?!

…und darüber mache ich mir heute auch keine Gedanken mehr…


24.07.2011 / 00:45 Uhr

Samstag, 23. Juli 2011

Der Anruf

 

Nachdem du nun vergangenen Dienstag beschlossen hast, keine Zeit mehr zu haben, musste ich mich mit dieser Aussage auseinander setzen und nicht versuchen, deine Nähe zu suchen.
Ohne Auto ist das ganz einfach dir nicht zu begegnen und wenn ich im Facebook den Chat wegklicke, bemerke ich dich dort auch kaum.

Die Gedanken allerdings bleiben, ebenso die Träume und die Gefühle, die plötzlich da sind.
Das alles kannst du mir auch nicht nehmen.

Das ich jetzt irgendwie neben mir sitze, mich von oben betrachte, aus mir nicht schlau werde und keinen Boden unter den Füßen, sondern nur Kälte, spüre, habe ich dir zu verdanken.

Ich sollte zum Punkt kommen, aber die Situation wiederzugeben fällt unendlich schwer.
Mein Kopf versucht jetzt schon zu verdrängen, es als unreal darzustellen.
Nur der schmerzende Schädel und die brennenden verheulten Augen erinnern an die vergangenen Stunden.

In einer ruhigen Minute saß ich heute am späten Nachmittag in der Pizzeria.
Meine Kollegin fummelte irgendwo an den Blumentöpfen, als das Bestelltelefon klingelte.
Bis dahin alles normal, ab da alles anders…

Auf die Nummer auf dem Display schaute ich nicht, ging ran, meldete mich freundlichst und hielt Stift und Zettel bereit.

„Hier ist V……s aus N……. …“

Der Fabelhafte!

Wie ich die Bestellung aufs Papier bekam ist mir schleierhaft.
Was Körperbeherrschung bedeutet, ist mir jetzt allerdings umso klarer.

Ich lauschte deiner Stimme, wie sie die kleine Bestellung aufgab.
Mein ganzer Körper zitterte und ich versuchte nur, mich stimmlich zu fassen und weiterhin freundlich den üblichen Werdegang durchzugehen.

Zum Abholen oder Liefern fragte ich dich.
Geliefert wolltest du haben, ok das ist neu.
Normalerweise kommst du abholen…du willst mich nicht sehen, dachte ich mir.
Fragte nach deiner Hausnummer, du antwortetest gleich mit Straßennamen, worauf ich erwiderte, dass dieser mir durchaus noch bekannt ist.

Am anderen Ende wurde es ruhig, ich nutzte deine Sprachlosigkeit, um dir die eventuelle Lieferdauer durchzugeben und mich höflich zu verabschieden.
Die nächsten Minuten sollten ein Ritt über den Vorhof der Hölle werden.

Der Versuch, die Daten auf den Bestellzettel zu übertragen, scheiterte kläglich.
Ich bebte.
Innerlich, äußerlich, alles um mich herum drehte sich, ich schrie nach der Kollegin und rannte aus dem Geschäft.

Was der Sicherheitsdienst in der Ladenstrasse oder die vorbeilaufenden Fußgänger dachten, war mir relativ egal.
An der Mauer gelehnt, ließ ich die Tränen laufen, die schmerzhaft aus mir rausschossen, nicht liefen, schossen.

Irgendwann dazwischen, davor, danach - ich weiß es nicht - kam eine deutlich hilflose SMS von dir.
Ich blieb kühl.
Du hättest mich an der Stimme nicht erkannt.
Tja kann passieren….so meine Reaktion.

Wieder heulend saß ich erneut vor dem Geschäft, als das Chef-Paar vorbeilief.
Sie kehrten um und fragten nach dem Grund meines Zustandes.
Nach einer kläglichen Erklärung bzw. dem Versuch dessen, lieferten sie für mich zu euch.
Ich hoffe inständig, dass sie dir gegenüber nichts angedeutet haben, was mit mir los war.

Die SMS nahmen ihren Lauf, die Tränen ebenfalls.
Ich solle nicht bockig sein.
Bockig?
Kerl wenn du mich hättest sehen können!

Dass eure Lieferung unterwegs ist teilte ich dir noch mit, bevor ich das Handy erneut unter den Tresen schmiss.
Den Schaden hat es eh nur wegen dir, es flog zu oft und doch traf ich dich nie damit.

Deine Stimme zu hören, nahm mir die Luft.
Nur noch ein Lauschen meines Inneren war spürbar.
Die Reaktion meines Körpers ein Schauspiel.
Ein Film ohne Happy End.


Ich liebe dich doch nicht, will auch nicht verliebt sein.
Du tust mir nicht gut, du gehörst nicht zu mir und überhaupt sollte es nur ein Spiel auf Zeit werden.
Das Spiel lief lang, 8 Monate, ich verlor und du hast nichts gewonnen.

Und doch frage ich mich, warum dir die Stimme versagte, warum sich dein Gewissen meldete.


23.07.2011 / 00:53 Uhr